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Tag 1 Donnerstag, 24.Oktober 2013

Wie von der Tarantel gestochen springe ich um 7.36 auf renne unter die dusche und stehe irgendwie vollkommen neben mir. Wo bin ich hier, was mach ich hier und um Himmels Willen warum? Ich setz mich auf den Balkon und rauche erst einmal eine Zigarette um in Ruhe zu mir zukommen. Dann gehe ich Frühstücken und nach einem Zusammengesuche meiner Sachen und einigem Hin und Her, laufe ich mit noch zwei anderen los nach Gathiga. Ich muss ehrlich sagen ich dachte 40 Minuten wären ein Scherz und vor allem nicht so verdammt anstrengend. Berg runter, Berg rauf, die Wärme bin ich nicht mehr gewohnt und so komme ich vollkommen Fertig im Kinderheim an. Kurz überlege ich, mich erst einmal hinzusetzten, aber sofort werde ich zum abwaschen deliriert. Abgesehen davon dass es natürlich keine Spülmaschine gibt und es kein vier Personen Haushalt ist, gibt es auch keinen schwamm oder Spülmittel, sondern ein stück von einem alten Sack und Kernseife. Eine Spüle? Fehlansage. Eine Wanne die auf dem Boden, in der prallen Sonne steht und von sehr wenig Platz umgeben ist, soll meinen heutigen Arbeitsplatz für die nächste Stunde darstellen. Eine Stunde bei den Anderen Freiwilligen, bei mir werden es dann doch eher zwei bis drei Stunden. Mir ist warm, meine Beine sterben langsam ab, da ich auf dem Boden hocke, aber irgendwie bin ich glücklich auf eine mir vollkommen unbekannte Art und Weise. Die Becher und Teller werden jedoch einfach nicht weniger und die Töpfe sind so groß, dass ich hinein kriechen könnte. Als ich endlich die letzten vertrockneten Ugali Reste aus dem letzten Topf gekratzt habe, will ich mir eine Pause gönnen und gehe zu den Mädels die grad am Wäsche waschen sind. Pause? Sofort werde ich eingespannt und es wird mir zur Aufgabe die pitschnassen Wolldecken zur Wäscheleine zutragen und sie aufzuhängen. Es ist eine schwerere Arbeit als man denkt und geht ganz schön auf die Armmuskeln. Als ich dann auch noch die letzten Klamotten ausgehangen habe endlich der erlösende Ausruf, es gibt Mittagessen! Und auch wenn ich keinen Hunger habe freue ich mich riesig. Endlich hinsetzen und ein wenig entspannen. Ich hol mir einen Teller Mais und Bohnen, die Frage nach einem Löffel liegt mir schon fast auf den Lippen, aber dann muss ich schon über mich selbst lachen, Lümmel mich auf den Boden und greife in die Mais Bohnen Mischung. Ich muss sagen mit den Fingern zuessen ist auch gar nicht allzu einfach. Andauernd fällt mir etwas in den Schoss, aber dass ist jetzt eh egal, denn ich könnte nach den paar Stunden Arbeit meine Klamotten ausziehen und in die Ecke stellen. Abgesehen von dem roten staub auf feuchter Kleidung ist mir beim Abwaschen einiges danebengegangen. Außerdem hatte ich die kluge Idee, die Töpfe auch von Außen sauber zu machen. Was natürlich nicht geklappt hat und da die Töpfe hier direkt auf dem Feuer stehen und danach voller Asche sind war ich danach pechschwarz. Nach dem Mittagessen gehen wir zum Shop, davon gibt es hier viele und sie bestehen eigentlich nur aus einem Fenster wo man auf die Schnelle verschiedene Dinge kaufen kann. Wir gönnen uns eine Cola, die 30 Schilling kostet, was umgerechnet weniger als 30 Cent sind. Und danach fühle ich mich wieder recht Fit und verschwinde kurz im Garten, bevor ich mit zwei anderen Freiwilligen, Franzi und Flo, nach Nairobi fahren will um mir Kredits für das Internet und Wasser zukaufen. Da wir ziemlich lange laufen müssten und es in der Sonne mittlerweile echt heiß ist wollen wir Matatu fahren. Ein Matatu ist ein Verkehrsmittel was hier sehr viel benutzt wird. Man könnte sagen es ist wie ein kleiner Bus, nur dass die Menschen hier gestapelt werden und wenn es sein muss aus dem 8-Sitzer auch schnell ein 20-Sitzer plus Ziege werden kann. Eines fährt an uns vorbei, hält an und wir quetschen uns rein. (mein Arsch hängt aus der Tür raus aber dann schlägt man von außen halt etwas stärker gegen die Tür, dann klappt dass schon) 50 Schilling pro Person werden verlangt, was nicht viel ist für die Strecke, allerdings halten wir nach zwei Minuten Fahrt wieder und uns wird gesagt wir müssten umsteigen. Schnell ist es weg und wir stehen am Straßenrand und warten vergeblich auf ein Neues. Da auch nach 10 Minuten keines kommt, laufen wir los, in die andere Richtung, unser Ziel hat sich geändert. Wangige. Nach ein paar hundert Metern kommt dann doch ein Matatu vorbei, und dieses Mal geht alles glatt. Das Matatu jedoch wird immer voller und enger und bei jeder Delle in der Straße , also jede zweite Sekunde, schlägt mein Kopf gegen das Dach. Aber wir haben es geschafft. Ich kaufe mir Internet und Telefon Kredits und einen 5 Liter Kanister Wasser. Den Weg nach Hause laufen wir da es nicht besonders weit ist. Zuhause angekommen schließt mich Degua in den Arm und erzählt mir, währenddessen ihm die Tränen in die Augen schießen, dass er soeben ein Rad von seinem Spielzeug Auto verloren hat. Sofort beginne ich es zu suchen. Hinter dem Sofa und in allen Ecken gucke ich nach, im Augenwinkel sehe ich das Degua beginnt zu weinen und ich denke mir, ich muss dieses doofe Rad finden. Ich verrenke mich und werde immer nervöser weil ich es einfach nicht finden kann. Als ich mich grad ein zweites Mal hinters Sofa beugen will zieht er an meinem Fuß, ich drehe mich um und gucke in sein strahlendes Gesicht. Er fängt an zu lachen und ich verstehe überhaupt nicht was los ist, er hat doch grad noch geweint. Etwas irritiert schaue ich ihn an und er schmeißt sich förmlich weg vor Lachen. Ich frag ihn ob er das Rad gefunden hat und sich daher freut. Er lacht noch mehr. Nach dem er sich nach 10 Minuten beruhigt hat strahlt er mich an und zieht den reifen aus seiner Hosentasche. Kurz denke wie schön dass er ihn wieder gefunden hat, freue mich schon fast mit ihm, bis ich merke dass an seinem Grinsen irgendetwas nicht stimmt. Er zieht mich zu sich runter und flüstert: „haha ich hab dich verarscht, ich hab ihn extra abgemacht damit du ihn suchen musst!“ Ich muss lachen weil ich darauf reingefallen bin, obwohl er wirklich gut gespielt hat und denke mir, nochmal suche ich nichts mehr für Degua. Dann gehe ich mit Jerry auf dem Arm nach Oben. Irgendwann gibt es Essen, und wir sitzen alle ganz gemütlich am Tisch und ich hab zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mich hier sehr wohl und geborgen fühlen werde. Nach dem Essen sitze ich noch kurz auf dem Balkon, muss mir dann jedoch eingestehen dass ich am ganzen Körper Muskelkater habe und beschließe ins Bett zugehen. Glücklich, zufrieden und erschöpft. Tag 1.
1.11.13 14:22
 


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