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Tag 6 Dienstag 29.10.2013

Ich gucke auf die Uhr. Vollkommen verstört springe ich auf. Es ist halb 9 wie um Himmelswillen konnte dass denn bitte passieren? Selbst Mara ist noch nicht aufgestanden. Ich gehe nach unten frühstücke schnell, dusche und los geht es auch schon wieder nach Gathiga. Es ist schon recht spät, kurz nach 9.00 Uhr, deswegen ist es schon ziemlich heiß und die Sonne sticht mir den ganzen Weg lang auf den Kopf. Während des Weges, und das geht mir bis jetzt jeden Tag so, denke ich, der Weg wird nicht Enden und dann bin ich da und denke ging ja voll schnell. Obwohl sich 40 Minuten Weg gar nicht mal so viel anhören, bin ich danach immer erst mal im Arsch. Der Grund, so denke ich ist dass man die ganze Zeit auf den Boden gucken muss weil überall Steine und anderer Kram herum liegt und man aufpassen muss nicht zu stolpern. Komisch ist es auch wenn einem ein Auto entgegen kommt, und man ganz automatisch nach Rechts geht um platz zu machen um dann in der letzten Sekunde festzustellen, dass hier ja Linksverkehr herrscht. So hab ich es schon einige Male geschafft fast überfahren zu werden. Im Heim sollen heute die Decken der Betten gewaschen werden. Da viele Kinder immer noch, auch mit 6 Jahren ins Bett machen stinkt es furchtbar, und das macht es wirklich zu keiner schönen Arbeit. Obwohl wir Gestern schon unglaublich viel gewaschen haben, sind Heute wieder riesige Haufen Klamotten bereit zur Reinigung und so verbringe ich den ganzen Vormittag mit waschen. Und nach dem Mittagessen müsste ich eigentlich weiter waschen, aber ich habe keine Lust mehr außerdem fühlen meine Beine sich vom hocken halb tot an und mein Rücken schmerzt. Komischerweise sind auch nach dem Essen recht viele Kinder da weswegen ich mich lieber mit ihnen beschäftige. Doch dann passiert andauernd irgendetwas. Ich sitze zum Beispiel grad vor der Küche als ich Moses, einen der ganz Kleinen schreien und weinen höre. Ich renne sofort hin, aber er hat sich nur den Zeh gestoßen, dennoch weint er unerbittlich und daher nehme ich ihn auf den Arm, auf dem er glatt einschläft. Als ich ihn ins Bett legen will fällt mir auf dass es klitschnass von Pipi ist, aber irgendwie stört es mich nicht. Ich denke nicht weiter darüber nach und lasse ihn liegen. Im nachhinein schockiert mich meine Abgestumpftheit, denn eigentlich war es ganz offensichtlich das er hinein gepullert hatte, aber irgendwie fand ich es nicht schlimm und hatte auch nicht dass Gefühl etwas machen zu müssen. Als ich ca. 10 Minuten den alten Jungs beim Volleyball spielen zugucke, knallt John, der allerkleinste, mit der Stirn auf eine Mauer und schreit nicht. Das schockiert mich komplett. Denn er muss sehr starke Schmerzen haben. Ich renne mal wieder. Ich nehme ihn auf den Arm und wiege ihn beim laufen ein wenig. Erst als wir uns von den anderen entfernt haben beginnt er zu weinen. Kurz überlege ich ob wir die Stirn nicht kühlen sollten, da fällt mir ein das es hier ja nicht mal einen Kühlschrank gibt. Auch John schläft auf meinem Arm ein, aber als ich ihn hinlegen will wacht er auf und will partout nicht von meinem Arm. Ich muss jetzt aber in den Garten und ernten, also wird er kurzerhand auf den rückengeklemmt. Doch da mein Rücken eh schon vom waschen weh tut halte ich es nicht lange aus und muss ihn ablegen. Er wacht nicht auf und alles ist gut. Nach dem Garten helfe ich Mara den Kindern nähen beizubringen, bis mich David, ein Mann von schätzungsweise 30 Jahren um Hilfe bittet. Währenddessen wir versuchen den Schlauch an der Wasserpumpe anzubringen fragt er mich ganz beiläufig ob ich an Gott glaube. Man muss wissen Kenianer sind sehr sehr gläubig. Dummerweise antworte ich nicht gleich mit ja, sondern etwas verzögert. David ist total verstört und hat mich komplett durchschaut. Die nächste halbe stunde muss ich mir anhören wie gut Gott ist und dass man an ihn glauben muss. Als ich schlussendlich sage er hat mich falsch verstanden und Gott ist alles, lächelt er und schreit fast: „God loves you!“. Bleibt aber dennoch irgendwie skeptisch und ich mach mich aus dem Staub. Auf ein mal fällt mir John wieder ein, der unverändert da liegt und einen sehr schwachen Atem hat. Mich packt die Angst, ich ziehe ihn hoch, versuche ihn auf zu wecken, doch er hängt nur wie ein Sack auf meinem Arm, in mir steigt die Panik auf und ich verfluche mich selbst. Ich drück ihn an mich ganz fest. Plötzlich wacht er auf und ist eigentlich ganz normal, zwar total verschlafen und kuschelig, aber ansonsten wirkt er recht gesund. Als ich mit ihm auf dem Arm nach unten komme guckt eine der Mamas mich an und fragt was los ist, als ich ihr erzähle wie sehr ich mich erschrocken habe, lacht sie mich aus und ich bin schockiert. Nach dem ich John ins Bett gebracht habe, machen wir uns auf den Weg nach Hause, sagen 100 kindern hallo, diskutieren über Gott und kommen endlich an. Ich mache mir noch etwas Sorgen um John, setzte mich auf mein Bett und schreibe. Und ersehne das Abendessen, denn heute gibt es Chapatie was sehr lecker ist und außerdem hab ich hier eh immer Hunger. Weiß der Teufel warum! Ha würde dass jetzt ein Kenianer lesen würde ihm dass Herz in die Hose rutschen und wahrscheinlich müsste ihm erst einmal wieder der Teufel ausgetrieben werden. Nächsten Sonntag will ich mit in die Kirche und mir so etwas mal live anschauen. Ich werde berichten! Puh! Endlich essen ist Fertig! ☺ p.s.: das essen war lecker! Ihr fehlt mir, aber ich komme hier schon jetzt super klar! Tag 6
1.11.13 14:27


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Tag 5 Montag 28.10.2013

„Ronja! Ich bin Fertig, es ist viertel vor acht, du musst jetzt!“ Ich öffne die Augen, doch sehen tue ich nichts, weil mein Buch in meinem Gesicht liegt. Kurz frage ich mich wie das dahin kommt, die nächste Frage die ich mir stelle ist dann jedoch: verdammt Ronja, hast du dich die ganze Nacht keinen Millimeter bewegt? Anscheinend nicht. Daran sieht man wie unglaublich Fertig ich hier ins Bett falle. Ich will aufstehen und in die Dusche gehen, doch in dem Moment ist sie schon besetzt. Tja, da war ich wohl einfach zu langsam. Frühstück, dann duschen und los nach Gathiga! Den ganzen Vormittag wird gewaschen. Mein rücken schmerz höllisch und meine Finger sind wund aber immerhin komplett sauber. Viel mehr kann ich über diesen Vormittag nicht berichten, da ich wirklich bis 13.00 Uhr nur gewaschen habe. Dann gibt es Mittagessen und danach kommen die Kleinen zum Kuscheln und Spielen. Anna und ich wollen danach nach Wangige, da ist heute Kleidermarkt und vom Heim läuft man in etwa so 45 Minuten. An und für sich kein Ding, aber ich hab schon sei dem Morgen Blasen an meinen Füßen, dazu ist es schon wieder schrecklich heiß und kurz vor unserem Ziel muss man den steilsten Berg überhaupt hoch. Vollkommen erledigt kommen wir auf einem komplett unüberschaubaren Markt an, auf welchem wir schnell die Attraktion schlecht hin werden. Wir laufen ein wenig umher, aber so wirklich sehen wir nichts. Anna muss noch zur Post und danach treffen wir ihn. Er, eigentlich ein hübsches Gesicht, lächelt mich an und sagt: „How are you, beauty?“, da man solche Sprüche hier 1000 mal am Tag zu hören bekommt denke ich nicht weiter drüber nach und verhalte mich einfach so wie immer in dem ich sage: „fine, thank you!“. Aber er lässt nicht locker und labert mich bestimmt 15 Minuten voll, bis ich ihn endlich in der Menge abhängen kann. Zum Glück denke ich mir. Anna und ich gehen in den Supermarkt ich kaufe 10 Liter Wasser, die ich grad so in meinen Rucksack bekomme und ein Eis- Fehler, stellt sich nach Kurzem heraus, denn fals das überhaupt geht, mutiere ich mit dem Eis zu einer noch größeren Attracktion, sodass ich es gar nicht genießen kann. Wir laufen weiter, ein LKW versperrt uns den Weg und wir wollen uns Rechts an ihm vorbei drücken, als Er auf einmal wieder da steht. Abrupt drehe ich um, aber zu Spät, er hat uns gesehen und die Verfolgungsjagd beginnt aufs neue. Bestimmt 30 Minuten rennt er uns hinterher, und redet uns voll, wir wollen ihn nur noch los werden, und so langsam fängt er echt an mir Angst zu machen. Ich werde wütend und verzweifelt weil egal wie schnell wir rennen und egal was wir sagen er einfach nicht bereit ist uns in Ruhe zulassen. Und da wir hier die einzigen Weißen sind gelingt es uns auch nicht einfach mal so in der Menge unterzutauchen. Irgendwann packt es mich und ich schreie ihn an, dass er sich verpissen soll und aufhören soll uns hinterher zu rennen. Dummerweise zittert meine stimme weil er mir Angst macht und ich wütend bin, sodass ich es nicht schaffe so bedrohlich zu klingen wie ich will, und die Kenianer um mich herum anfangen zu lachen. Jetzt bin ich dazu auch noch vollkommen verunsichert und fühle mich irgendwie bloßgestellt. Bloßgestellt von mir selbst. Anna und ich gehen weiter, und was mich vollkommen überrascht, er bleibt stehen und läuft uns nicht mehr hinterher, anscheinend hat ihn meine Ansage doch ein wenig schockiert. Dummerweise braucht Anna noch dringen Zigaretten, der Stand an dem es allerdings welche gibt ist leider nur über die Straße, und da Kenianer nicht rechnen können, der Verkäufer also erstmals sein Handy rausholen muss und alles einzugeben, was gefühlte 100 Jahre dauert. Diese Zeit reicht unserem Verfolger um zur Besinnung zu kommen und uns wieder hinterher zurennen. Da wir so nicht nach Hause gehen wollen oder besser gesagt ich, weil ich Angst habe, da der weg komplett unbelebt ist, rennen wir ein weiteres Mal quer über den Markt und versuchen ihn abzuhängen, aber auf unsere dummen Tricks fällt er nicht herein. Anna und ich geben auf. Wir laufen langsam und ignorieren ihn, was ihn dummerweise ganz schön Sauer macht. Er fängt an rumzuschreien und sich immer wieder zwischen uns zu drängen. Irgendwann schreit er nur noch:“ GO! GO away! And never come back!“ Das war das Letzte was wir von ihm gesehen oder gehört haben und ich kann endlich mit einen 10 Kilo auf dem Rücken nach Hause laufen. ( so schlimm wie es sich jetzt anhört war es aber gar nicht) Das einzige was ich zuhause noch will ist duschen essen und schlafen, ich bin noch müder als an den anderen Tagen. Tag 5
1.11.13 14:26


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